Europameisterschaft: Eine Bronzemedaille die golden glänzt

Es war Sonntagmittag, kurz nach 12 Uhr, als plötzlich einige Spieler ihre Trikots vom Leib rissen und wild jubelnd umhersprangen. Was war so, als ob jemand etwas scheinbar Unmögliches möglich gemacht hatte. Es war auch so etwas ähnliches, denn die Uni-Volleyballer aus Konstanz hatten bei der Studenten-Europameisterschaft in Italien die Universität Montpellier, die bei der vergangenen EM noch im Finale stand, im Spiel um Platz drei überraschend deutlich mit 3:0 besiegt. Damit hatten die Konstanzer eine Medaille gewonnen, die vor dem Turnier eher ein Traum als Realität war.

„Wir waren alles andere als ein Favorit“, sagt Kapitän Philipp Sigmund. „Wir wollten unter die ersten zehn kommen und haben jetzt eine Medaille. Das ist eine Sensation.“ Vor dem Turnier sagte er noch, er hoffe, dass sich das Team von Spiel zu Spiel steigern könne. Genau das wurde, abgesehen von einer Ausnahme, auch so umgesetzt. „Wir haben auf einem unglaublich hohen Niveau gespielt“, sagte Sigmund. „Wir haben, außer gegen Spanien, nur ganz wenige Fehler gemacht.“

Damit spricht der Kapitän das einzige Spiel an, in dem es nicht so lief, wie gewünscht. Gegen Großbritannien und Polen lief es in der Gruppe bestens. Und die Türkei hatte im Viertelfinale ebenfalls keine Chance. Dann aber kam Spanien. „Wir haben mit Abstand unser schlechtestes Spiel gezeigt“, resümierte Sigmund. Im ersten Satz hatten die Spanier mit 26:24 knapp die Nase vorn, danach hatten die Konstanzer beim 15:25 und 20:25 aber keine Chance mehr.

Nach einer solchen Niederlage fällt es vielen Teams schwer, sich noch einmal zu motivieren. Nicht so den Konstanzern. „Wir hatten doch eh nichts zu verlieren“, erklärt Sigmund. „Und wir wollten unbedingt wenigstens noch eine Medaille.“ Selbst aus der Heimat kamen jede Menge Nachrichten und E-Mails nach Italien. „Das war wirklich unglaublich, wie viele uns geschrieben haben“, so der Kapitän. „Das hat uns wahnsinnig motiviert.“

Im Spiel um Platz drei ging es dann gegen die Universität aus Montpellier, die bei der vergangenen EM im Finale stand. Auch in dieser Mannschaft waren wieder einmal mehrere Erstligaspieler. Die Konstanzer traten mit einer Drittliga-Mannschaft an. Und trotzdem schaffte es David erneut, Goliath zu Fall zu bringen. Von Beginn wurden die Franzosen mit guten Aufschlägen mächtig unter Druck gesetzt. Die Folge war ein 25:18. Und die Konstanzer ließen nicht locker. Mit 25:20 und 25:20 holten sie auch die nächsten beiden Sätze, das Spiel und die völlig überraschende Bronzemedaille. Das Endspiel gewann schließlich die Mannschaft aus Spanien gegen das zweite deutsche Team der TU München, das als Titelverteidiger gestartet waren, mit 3:1.

Am Sonntagabend fand dann die Siegerehrung in einem Innenhof einer Burg statt. „Es war eine beeindruckende Kulisse“, so Sigmund. „Wir haben es in vollen Zügen genossen.“ Aber auch die ganze Stadt Camerino lebte das Turnier die gesamte Woche lang. „Alles war perfekt organisiert“, lobte der Kapitän. „Wir werden das Ganze wohl nie vergessen.“

Allerdings bräuchten die Spieler sicherlich noch einige Zeit, um es wirklich zu verstehen, was da in der vergangenen Woche bei der Studenten-Europameisterschaft passiert sei. Auf dem Heimweg im Bus haben fast alle Spieler ihre Medaille um ihren Hals gehabt und damit auch die eine oder andere Minute geschlafen.

Der Traum von der Europameisterschaft rückt näher

Nach dem Coup mit dem Gewinn der deutschen Hochschulmeisterschaft erfüllen sich die erfolgreichen Konstanzer Hochschul-Volleyballer den Traum von der Teilnahme an der Studenten-Europameisterschaft, die am Montag im italienischen Camerino beginnt. 14 Männer-Teams und 13 Frauen-Mannschaften gehen beim Turnier an den Start, die Sieger zu ermitteln.

In sechs verschiedenen Hallen wird eine Woche lang um die europäische Volleyball-Krone der Hochschulmannschaften gespielt. Die Konstanzer Delegation bereitet sich organisatorisch bereits seit Anfang November vergangenen Jahres vor. „Damals fanden die ersten Gespräche statt“, berichtet Kapitän Philipp Sigmund. „Seit zwei Monaten habe ich fast jeden Tag mit dem Turnier zu tun.“ Auch finanziell wurde einiges gestemmt. Die Spieler beteiligen sich alle mit einem Eigenanteil, der Hochschulsport und der USC Konstanz unterstützen das Abenteuer ebenso wie einige kleinere Sponsoren.

Sportlich bereiten sich die Volleyballer seit sechs Wochen intensiv auf das größte Turnier für alle vor. „Im Training herrscht eine super Stimmung“, so Sigmund. „Wir freuen uns riesig auf die EM. So etwas erlebt man nicht alle Tage.“ Ein konkretes Ziel fällt schwer zu definieren, da die gegnerischen Teams sehr schwer einzuschätzen sind. „Wir rechnen schon damit, dass wir auf mehrere Erstliga-Spieler treffen werden“, so der Kapitän.

Seit dieser Woche haben die Konstanzer ihre Trainingskleidung mit der schwarz-rot-goldenen Flagge darauf. „Es ist schon ein tolles Gefühl, eine Deutschland-Flagge zu tragen“, berichtet Sigmund. „Es ist eine Ehre und wir wollen unser Land auch gebührend vertreten.“ Zu den Favoriten dürfte der Titelverteidiger von der TU München zählen, wie auch die Universität Montpellier aus Frankreich, die im vergangenen Jahr erst im Finale unterlegen war.

„Unser Ziel ist es, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern“, gibt Sigmund das Motto aus. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet und können guten Mutes antreten.“ Für viele Spieler, die in der vergangenen Saison für den USC Konstanz in der 3. Liga für Furore sorgten, wird es wohl das letzte Mal sein, dass sie in dieser Konstellation zusammen antreten. Einige haben sich jetzt schon entschlossen den Verein zu wechseln. „Wir freuen uns riesig auf das Abenteuer Studenten-Europameisterschaft“, sagt Sigmund. „Ich bin sicher, dass das keiner von uns so schnell vergessen wird.“

Die Mannschaften

Universität Konstanz, Technische Universität München, University of Armenia (Armenien), University of Rijeka (Kroatien), University of Montpellier (Frankreich), Polytechnic University of Marche (Italien), Sogno g Fjordane University College (Norwegen), University of Warsaw (Polen), Polytechnic Institute of Porto (Portugal), Babes-Bolyai University (Rumänien), University of Almeria, University of Valencia (beide Spanien), Beykent University (Türkei), Sheffield Hallam University (Großbritannien).